Nähwerkstatt II

Am Donnerstag wurde in der „Nähwerkstatt“ fleißig gearbeitet. Vormittags kamen vier Mädchen zu mir nachhause und nachmittags noch einmal eine Gruppe mit fünf Kindern. Zunächst habe ich, nach der obligatorischen kurzen Vorstellungsrunde, erklärt, was wir gemeinsam nähen werden, wie die „Nähwerkstatt“ (also die Materialverteilung in unserem Wohnzimmer) eingerichtet ist und welche Regeln man beachten sollte. Es gab im Raum eine Materialecke mit den verschiedenen Stoffen und dem Couchtisch, auf dem die „Werkzeuge“, wie Scheren, Maßband usw. lagen; dann stand ein Arbeitsstisch in der Mitte des Zimmers, auf dem geschnitten und geklebt werden durfte und schließlich gab es noch den Nähtisch mit den Nähmaschinen. Die Kinder sollten darauf achten, dass immer alles wieder an ihren angestammten Platz zurück kommt, was soweit auch gut geklappt hat. Nach diesen Erläuterungen ging es dann mit dem Probenähen los: Die Mädels durften zunächst einmal Stoffreste zusammenstecken, eine Linie anzeichnen und dann mit der Nähmaschine entlang der Linie nähen. Das war für einige schon sehr aufregend, weil manche noch nie davor eine Nähmaschine bedient hatten! Schließlich kamen aber alle irgendwie zurecht und wie immer gab es wahre Naturtalente! Jedenfalls konnte ich in dieser Phase auch ein bisschen die Technik an den Maschinen und ein paar Fachbegriffe (bspw. Oberfaden, Unterfaden, Geradstich usw.) einführen – was ja irgendwie zum Nähen dazugehört und auch zum didaktischen Anspruch an mich selber ;-). Außerdem lernten die Mädchen so, dass man die Stoffe meist rechts auf rechts legt und von links zusammennäht. Etwas schwieriger als die gerade Linie war dann allerdings der Halbkreis. Ein paar Mädels ist dieser auf Anhieb geglückt, ein paar anderen fiel das Drehen des Stoffes eher schwer – aber was soll’s, letztlich haben alle das Probenähen bestanden und durften sich dann ihr Nähprojekt aussuchen…. .

… Doch welches war nun das beliebtest? Noch einmal zur Erinnerung: Zur Wahl standen ein praktisches Stiftemäppchen, mit coolen beschichteten Innenstoffen, eine süße Eule, ein niedlicher Elefant oder ein witziges Monster. Und das Rennen machte ….. Trommelwirbel….. Die Eule! Ich habe im Vorfeld ja eher auf das Mäppchen getippt (entsprechend viel Stoff habe ich übrig und kann nun Mäppchen, Taschen oder Geldbeutel in allen Varianten nähen), aber schließlich haben sich fünf Kinder für die Eule entschieden, drei für das Mäppchen und ein Mädchen für das Monster. Ich habe natürlich ein bisschen nachgehakt, und gefragt, warum sich so wenige für das Mäppchen entschieden haben. Die Antwort lautete immer: „Ich habe schon so viele zuhause, das brauche ich einfach nicht.“ Die Eule schien dafür umso mehr gebraucht zu werden :-).

Hatte also jedes Kind sein Projekt und den entsprechenden Stoff ausgesucht, wurde es, nach einer kurzen Knabber- und Trinkpause, richtig Ernst. Mit großem Ehrgeiz haben die Mädchen fleißig genäht, manche Nähte wurden wieder aufgetrennt und neu zusammengenäht, doch keines der Kinder hat die Lust verloren und schließlich hielten alle ein fertiges Nähstück in ihren Händen und strahlten stolz und glücklich als sie von ihren Eltern abgeholt wurden. Und nicht nur den Kindern hat es Spaß gemacht, auch ich war am Ende des Tages sehr zufrieden. Auf Wunsch einiger Mädchen und Mamas werde ich nächstes Jahr sicherlich wieder die „Nähwerkstatt“ anbieten – mal schauen, was dann genäht wird… .

Mein Fazit: Auch wenn es einiger Planung und Organisation im Vorfeld bedarf, hat die „Nähwerkstatt“ mir und auch den Kindern große Freude gemacht. Und so behält der französische Schriftsteller André Gide recht, wenn er sagt: „Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich.“

Nähmaschinen

Der Nähtisch mit drei, zeitweise auch mit vier Nähmaschinen. Meine neue W6 war natürlich die beliebteste (die näht quasi von alleine ;-)).

Produkte

Drei fertige Eulen und ein Monster hatten sich zum Abschlussfoto auf dem Sofa versammelt. Sehen doch richtig süß aus, oder?

Nähwerkstatt

Nächste Woche fangen in Baden-Württemberg die Schulferien an und sicherlich freuen sich alle Kinder und natürlich auch die Lehrer darauf ;-). Nichtsdestotrotz kennt man es aus seiner eigenen Kindheit: man fährt vielleicht 1-2 Wochen mit den Eltern in den Urlaub, aber was macht man in den restlichen vier Wochen? Kinder wie auch die Eltern hoffen auf trockenes und warmes Sommer- sprich Freibadwetter. Vielleicht wird der eine oder andere Besuch bei Freunden oder sonst ein Ausflug geplant. Dennoch bekommen es mit großer Wahrscheinlichkeit die meisten Eltern ein paar Mal zu hören: „Mir ist so langweilig! Was soll ich denn nur machen?“ Da ist es doch schön, wenn in den Gemeinden Ferienspielwochen angeboten werden. Bei uns finden die Ferienspielaktionen den ganzen August lang statt und fast jeden Tag gibt es ein anderes Angebot. Dieses Jahr habe ich mich getraut und mich gemeldet, eine Nähwerkstatt für Kinder zwischen 8 und 14 Jahren anzubieten. Die Nachfrage ist groß und es werden sich 9 Mädchen zwischen 8 und 11 Jahren aufgeteilt auf zwei Termine am Nähen versuchen. Ich bin sehr gespannt, ob alles klappt, da es eine vollkommen neue Erfahrung für mich ist, Kindern etwas „Handwerkliches“ beizubringen. Vielleicht hat jemand Tipps, was ich im Vorfeld beachten sollte? Jedenfalls habe ich inzwischen die Stoffe besorgt und die meisten in der Ausschreibung angegebenen Nähprojekte Probe genäht. Ich hoffe, dass es mit den Kids ähnlich reibungslos läuft wie beim Probenähen ;-).

 

Ferienspielaktion

Spannend ist, welche Projekte von den Kindern gewählt werden: Soll es eher ein kuscheliger Elefant, eine süße Eule (muss noch ausprobiert werden) oder ein witziges Monster sein? Oder doch das coole Schlampermäppchen?

Mal schauen, welches Utensil das Rennen macht. Ihr dürft gerne mitraten. Die Auflösung gibt es dann in rund zwei Wochen :-).

 

Viele liebe Grüße

Unterschrift

P.S.: Für die Aktion habe ich natürlich noch peppigere Stoffe eingekauft, damit auch für jeden Geschmack etwas dabei ist. Rosafarbener Stoff mit weißen Tupfen und Blümchenmuster kommt bei 10jährigen Girls sicherlich nicht so gut an, wie bei Mamas wie mir :-).